Der Oktober ist pink. Und darf auch alkoholfrei sein.
Was haben der „Sober October“, also ein alkoholfreier Oktober, und der Brustkrebsmonat „Pink October“ miteinander zu tun? Mehr, als viele vermuten. Denn Alkohol gehört zu den wichtigen beeinflussbaren Risikofaktoren für Brustkrebs. Das gilt auch für Mengen, die wir im Alltag oft als „moderat“ betrachten.
Die WHO schätzt für die Europäische Region, dass etwa sieben von hundert neuen Brustkrebsfällen auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Eine australische Studie kommt für Frauen vor der Menopause auf rund 13 Prozent, für Frauen nach der Menopause auf rund sieben Prozent. Solche Schätzungen hängen von der untersuchten Bevölkerung und der Berechnungsmethode ab. Sie sagen nicht, wodurch die Erkrankung einer einzelnen Frau entstanden ist.
Wie zuverlässig erfassen wir überhaupt, wie viel Alkohol getrunken wird? Eine Untersuchung deutscher Befragungsdaten zeigt: Im Durchschnitt wurde etwa 48 Prozent weniger Alkohol erfasst, als die Verkaufsdaten erwarten ließen. Das ist eine erhebliche Lücke. Sie lässt sich allerdings nicht einfach in einen entsprechend höheren Anteil alkoholbedingter Brustkrebsfälle umrechnen.
Mich hat bei meiner Brustkrebsanamnese niemand genauer nach der Menge meines Alkoholkonsums gefragt. Warum nicht, weiß ich nicht. Ich hätte mir diese Frage und eine verständliche Erklärung des Zusammenhangs gewünscht. Rückblickend muss ich aber auch sagen: Vielleicht hätte ich meinen Konsum selbst heruntergespielt. „Moderat“ hätte ich wahrscheinlich geantwortet.
Ich war ehrlich überzeugt, dass durchschnittlich zwei Gläser Bier oder ein Glas Wein pro Tag moderat seien. Heute weiß ich: „Moderat“ bedeutet nicht gesundheitlich unbedenklich. Zudem sagt die Zahl der Gläser ohne deren Größe und Alkoholgehalt wenig über die tatsächliche Menge aus. Die WHO betont, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Alkoholmenge gibt. Auch kleine Mengen können das Krebsrisiko erhöhen; mit zunehmendem Konsum steigt es.
Aufklärung ohne Schuldzuweisung
Heißt das, dass ich selbst schuld an meiner Brustkrebserkrankung bin? Nein. Ich kann nicht wissen, welche Faktoren bei mir zusammengewirkt haben. Brustkrebs entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer Prozesse, und viele Risiken können wir nicht beeinflussen. Auch Menschen, die gesund leben und keinen Alkohol trinken, erkranken.
Das macht Prävention aber nicht wirkungslos. Wir können Risiken senken, auch wenn wir eine Erkrankung nicht sicher verhindern können. Dafür brauchen wir verständliche Informationen und offene Gespräche – ohne Vorwürfe.
In Deutschland erkrankt nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Auch jüngere Frauen können betroffen sein. Diese Diagnose verändert das Leben.
Vielleicht ist der Oktober deshalb ein guter Anlass, einmal auszuprobieren, wie sich ein Alltag ohne Alkohol anfühlt. Für mich war der Verzicht zunächst unfreiwillig, dann aber ein Aha-Erlebnis: Ich habe mehr Lebensqualität gewonnen.
Alkoholfrei braucht keine Rechtfertigung
Wer auf Alkohol verzichtet, stößt nicht immer auf Verständnis. In meinem Umfeld musste ich meine Entscheidung erklären, und auch in der Gastronomie wünsche ich mir mehr abwechslungsreiche alkoholfreie Angebote. Für mich war das teilweise schwieriger, als vegetarisch zu leben.
Dann kommen oft die Gegenbeispiele: Jemand habe nie getrunken und trotzdem Brustkrebs bekommen. Oder nie geraucht und trotzdem Lungenkrebs entwickelt. Solche Erkrankungen sind keine „Ausnahmen, die die Regel bestätigen“. Sie zeigen, dass Krebs verschiedene Ursachen haben kann. Ein Risikofaktor erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung; er entscheidet nicht allein darüber, wer erkrankt.
Ich wünsche mir deshalb mehr Aufklärung über Alkohol und Brustkrebs. Eine konkrete Frage wie „Wie häufig trinken Sie, welches Getränk und welche Menge?“ wäre hilfreicher als das unbestimmte Wort „moderat“.
Welche weiteren Faktoren beeinflussen das Brustkrebsrisiko?
Zu den nicht oder kaum beeinflussbaren Faktoren gehören insbesondere:
- höheres Alter;
- bestimmte erbliche Veranlagungen;
- dichtes Brustgewebe und bestimmte Veränderungen des Brustdrüsengewebes;
- eine frühere Bestrahlung des Brustkorbs, insbesondere in jungen Jahren;
- hormonelle und reproduktive Faktoren, etwa eine frühe erste oder späte letzte Regelblutung.
Zu den Ansatzpunkten für Prävention gehören:
- weniger oder kein Alkohol;
- ausreichend Bewegung;
- Vermeidung von Übergewicht, besonders nach den Wechseljahren;
- Nichtrauchen;
- eine ausgewogene Ernährung, auch zur Unterstützung eines gesunden Körpergewichts.
Diese Punkte sind keine Rangfolge. Wie stark sie das Risiko beeinflussen, hängt unter anderem von Alter, Lebensphase und Ausmaß der jeweiligen Belastung ab.
Auch Stillzeiten, hormonelle Verhütung und bestimmte Hormonersatztherapien können das Risiko beeinflussen. Sie sollten differenziert betrachtet werden: Nicht jede Frau kann oder möchte stillen, und medizinische Behandlungen erfordern eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken.
Bei der Hormonersatztherapie kommt es auf die Präparate und die Anwendung an. In der langfristigen Nachbeobachtung der Women’s Health Initiative war eine bestimmte Östrogen-Gestagen-Kombination mit mehr Brustkrebsfällen verbunden. Eine bestimmte Östrogenmonotherapie bei Frauen ohne Gebärmutter war dagegen mit weniger Fällen verbunden. Diese Ergebnisse lassen sich nicht pauschal auf alle Hormonpräparate oder auf Frauen mit einer früheren Brustkrebserkrankung übertragen.
Die FDA hat 2026 für erste Präparate besonders hervorgehobene Warnhinweise geändert. Das ist keine allgemeine Entwarnung hinsichtlich des Brustkrebsrisikos.
Für mich gehören Pink October und Sober October zusammen: als Anlass, sich zu informieren, Gewohnheiten zu hinterfragen und alkoholfreie Entscheidungen selbstverständlich werden zu lassen.
Links:
https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-vorbeugen/krebsrisiko-alkohol
https://www.gelbe-liste.de/gynaekologie/alkohol-brustkrebs-risiko
https://www.staerkergegenkrebs.de/patienteninformation/alkohol-krebs/
https://www.kenn-dein-limit.de/alkoholkonsum/folgen-von-alkohol/alkohol-und-krebs/
https://www.gelbe-liste.de/onkologie/alkohol-warnung-krebs
Bild mit ChatGPT erstellt.