Ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr! Und damit es nicht direkt mit Hangovers und Alkoholkater weitergeht, einfach mal ausprobieren einen Monat alkoholfrei zu bleiben und den „Dry January“ leben. Besonders für Frauen ist Abstinenz in jedem Alter wichtig und nicht nur während der Kinderwunsch-, Schwangerschaft und Stillzeit. Dazu empfehle ich das Interview in Medscape mit der Projektleiterin Dr. Marie-Olivia Chandesris der französischen Gesundheitsbehörde HAS (Haute Autorité de santé), die Alkohol als relevantes Gesundheitsthema für alle Frauen in jeder Lebensphase etablieren möchte.
„Chandesris: Alkohol wirkt bei Frauen schneller und stärker, selbst wenn sie die gleiche Menge konsumieren. Das liegt an physiologischen Unterschieden, etwa beim Anteil des Wassers im Körper oder bei der Enzymaktivität. Solche Faktoren beeinflussen den Alkoholabbau.
Besonders offensichtlich wird der Unterschied bei Leberschäden: Frauen sind hier deutlich anfälliger. Doch nicht nur körperlich, auch psychosozial zeigen sich stärkere Auswirkungen – oft verstärkt durch geschlechtsspezifische Diskriminierung.
Hinzu kommt: Alkohol ist ein bekannter Risikofaktor für Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Alarmierend ist, dass 1 Drittel der alkoholbedingten Brustkrebsfälle auf einen Konsum zurückzuführen ist, der als leicht bis moderat gilt – also innerhalb der als „risikoarm“ eingestuften Mengen liegt.
… Auch zögern Ärztinnen und Ärzte häufig, das Thema Alkohol bei Patientinnen aktiv anzusprechen. Das führt nicht nur zu fehlender Information und zu einer verzögerten Diagnose, sondern auch zu unterschiedlichen Behandlungsempfehlungen: Während Männer eher ermutigt werden, weniger zu trinken, lautet der Rat für Frauen eher, komplett auf Alkohol zu verzichten.
Auch geht es bei Informationen rund um Alkohol bei Frauen fast ausschließlich um die Schwangerschaft und die Stillzeit. Dabei ist Alkohol ein relevantes Gesundheitsthema für alle Frauen – und zwar in jeder Lebensphase. Gesundheit und Lebensqualität dürfen bei der Aufklärung nicht allein auf das Thema Schwangerschaft heruntergebrochen werden. Ein umfassender Blick ist notwendig, damit wir individuelle Risiken besser ansprechen und Frauen besser begleiten zu können.“
Nicht nur, dass Ärztinnen und Ärzte über die Gefährlichkeit von Alkohol nicht aufklären, sie verharmlosen es oft selbst und wischen Bedenken weg, denn sie trinken – wie viele von uns – selbst sehr gerne Alkohol. Und sie spielen den Zusammenhang zwichen Alkohol und Brustkrebs runter, auch wenn es die einzige „Lifestyle-Sünde“ der Patientin ist und somit auf der Hand liegt, wenn keine erbliche Ursache vorliegt.*
Wer mehr darüber wissen möchte, dass es wirklich keine Alkoholmenge gibt, die unbedenklich ist, für den ist folgender Beitrag ebenfalls spannend: „Der Alkohol, die Lobby und der Brustkrebs“
Quellen:
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4914818#vp_1
*Die Risikofaktoren für Brustkrebs sind:
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind:
- höheres Alter
- erbliche Veranlagungen
- dichtes Brustgewebe
- bestimmte Veränderungen des Brustdrüsengewebes
- eine frühere Strahlentherapie des Brustkorbs
- Diabetes mellitus Typ 2
- hormonelle Faktoren
Beeinflussbare Risikofaktoren sind (in dieser Reihenfolge):
- Übergewicht nach den Wechseljahren
- Alkoholkonsum
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- ungesunde Ernährung
- keine oder kurze Stillzeiten
- hormonelle Verhütungsmittel (Pille und Spirale)
- Bedingt: Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren (Achtung: Östrogen alleine scheint das Brustkrebsrisiko zu mindern, ist aber nur für Frauen ohne Gebärmutter einsetzbar.)
(Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/risikofaktoren)